SZ Mittwoch, 25.11.2015



Europa in Radeberg





Die Pestalozzi-Oberschule ist Teil eines spannenden internationalen Schüleraustausch-Projekts. Aber mit einer Träne im Knopfloch.
Von Jens Fritzsche



Lehrer aus Spanien, Litauen, der Türkei und Finnland waren zu Besuch in der Pestalozzi-Oberschule in Radeberg. Und bereiteten ein Schüler-Austauschprojekt vor.
© Thorsten Eckert

Die vergangene Nacht dürfte Heiko Heinze wahrscheinlich sogar in Englisch geträumt haben. Denn die beiden vergangenen Tage hat der Englisch- und Technik-Lehrer der Radeberger Pestalozzi-Oberschule fast ausschließlich Englisch gesprochen. Heiko Heinze ist Koordinator des aktuellen Durchgangs des Erasmus-Projekts, in dem Schulen aus Finnland, Spanien, der Türkei, Litauen und eben die Radeberger Pestalozzi-Oberschule zusammenarbeiten.
In den kommenden zweieinhalb Jahren wird es dabei zu einem durchaus regen Schüleraustausch zwischen den Schulen kommen – und die Schüler werden zudem gemeinsam Umweltschutzprojekte in den jeweiligen Regionen entwickeln. Und natürlich spielt auch das Thema Sprache und das Kennenlernen fremder Länder und Kulturen eine wichtige Rolle, freut sich Heiko Heinze, dass die Radeberger Pestalozzischule mit im Erasmus-Boot sitzt.
Mittel wurden drastisch gekürzt
In den vergangenen beiden Tagen nun waren Lehrer aus den teilnehmenden Schulen in Radeberg zu Gast, um das Projekt vorzubereiten. „Und wir mussten dabei leider auch über ein echtes Problem beraten“, ist die Freude von Heiko Heinze dann doch hörbar getrübt. Denn die EU, die das Projekt finanziert, hat die Mittel drastisch gekürzt. „Wir bekommen leider nur noch 57 Prozent der geplanten Summe, das ist richtig ärgerlich“, sagt der Radeberger. Das Geld sei durch die EU auf Kosten der Schulen zugunsten von Erasmus-Projekten an Universitäten umverteilt worden. Problem: Dadurch können nun aber weitaus weniger Radeberger Schüler zu den Partnerschulen in den anderen Ländern starten. „Wir wollten eigentlich jeweils sieben Schüler in jedes Teilnehmerland schicken, nun sind es leider nur noch jeweils drei Schüler pro Reise“, ist auch Schulleiterin Marion Hobohm hörbar enttäuscht. Und doch ist sie durchaus stolz, „dass wir in diesem Projekt dabei sind“. Die Radeberger Schule ist dabei eine von insgesamt nur vier Schulen in ganz Sachsen, die im Rahmen des Projektes sozusagen auf europäischer Ebene agiert. Schon vor einigen Jahren war die Pestalozzischule ja bei einem solchen internationalen Austausch-Projekt der EU dabei, was nun unter anderem auch als Teil der Auszeichnung als Europa-Schule gewürdigt wurde. Wie überhaupt die zahlreichen Europa-Projekte an der Schule damit ausgezeichnet wurden – wie die Vergabe von Stipendien für Schulaufenthalte im Ausland, Sprachreisen im Rahmen des fächerübergreifenden Unterrichts oder auch die regelmäßige Teilnahme am bundesweiten Fremdsprachen-Wettbewerb. „In der vergangenen Woche haben wir das Siegel in Chemnitz von Kultusministerin Kurth überreicht bekommen“, freut sich Marion Hobohm.
Jeder Schüler kann sich bewerben
Das erste Schülertreffen wird nun im kommenden März in Spanien stattfinden. Im September kommen dann Schüler aus den anderen Teilnehmerländern an die Pestalozzi-Oberschule. Wer dabei von Radeberg aus nach Spanien, Litauen, Finnland oder in die Türkei reisen wird, steht noch nicht fest. „Jeder Schüler, der möchte, kann sich bewerben“, beschreibt Heiko Heinze. Die Bewerbung muss dabei schriftlich und in Englisch vorgelegt werden, dann wird eine Jury die Auswahl treffen. „Dass das alles in englischer Sprache erfolgt, ist natürlich durchaus anspruchsvoll – aber das ist ja auch das Ziel“, stellt der Projektkoordinator klar. Denn es geht letztlich auch darum, dass die Schüler lernen, unkompliziert in Englisch zu agieren. „Was ja auch ein wichtiger Teil ist, um unsere Schüler für den sich immer mehr verändernden Arbeitsmarkt fit zu machen“, weiß Schulleiterin Marion Hobohm. „Der Arbeitsmarkt wird natürlich auch immer internationaler, auch darauf wollen wir reagieren“, sagt sie.







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